Erleichterung der passiven Veredelung (OPR): Alles, was Sie wissen müssen
Niedrigere Produktionskosten, spezialisierte Einrichtungen, Herstellerwissen – es gibt viele Gründe, warum Sie Ihre Waren im Ausland verarbeiten lassen sollten. Aber wussten Sie, dass Sie Ihren Zoll senken können, wenn Sie Artikel importieren, die zuvor im freien Verkehr befindliche Waren enthalten?
In diesem Artikel erfahren Sie, wie der passive Veredelungsverkehr (OPR) funktioniert und wie Sie ihn nutzen können.
Wie funktioniert die Erleichterung der passiven Veredelung (OPR)?
Die Befreiung der passiven Veredelung ist keine Einfuhrausgabenaussetzung wie die Befreiung der aktiven Veredelung (IPR), folgt aber demselben Prinzip.
Während Sie mit IPR Ihre Zollausgaben für Komponenten senken können, die importiert, verarbeitet und dann als Teil eines fertigen Produkts exportiert werden oder in den freien Verkehr überführt werden, können Sie mit OPR eine Zollermäßigung für importierte Waren beantragen, wenn diese eine zuvor exportierte Komponente enthalten, die sich im freien Verkehr befand.
Die Berechnung der Zollbefreiung im Rahmen der OPR basiert insbesondere auf zwei Schlüsselelementen: dem Wert der vorübergehend ausgeführten Waren und den im Ausland angefallenen Verarbeitungskosten.
Das bedeutet, dass Sie nur auf den ‚Mehrwert‘, der außerhalb des Zollgebiets entstanden ist, Zoll zahlen. Die spezifischen Berechnungsmethoden sind in Artikel 86(5) des Zollkodex der Union (für die Verwendung der OPR in der EU) festgelegt und ermöglichen es Unternehmen, ihre Zollschuld bei der Wiedereinfuhr erheblich zu reduzieren.
Andere Anwendungsfälle für das OPR-Verfahren sind:
- Reparatur und Restaurierung
- Ersetzung einer Ware durch eine gleichwertige Ware (Standardaustausch)
jedoch nur unter Voraussetzung, dass sie die Zolltarifnummer der Ware nicht ändert und die Reparatur unentgeltlich – beispielsweise im Rahmen einer vertraglichen Garantie – erfolgt.
Beachten Sie, dass Sie in der Regel immer noch Einfuhrabgaben auf die im Ausland angefallenen Kosten, wie z.B. Arbeits- und Verpackungskosten, zahlen müssen und dass für Ihre Ware besondere Anforderungen für die Verarbeitung gelten können. Zum Beispiel gibt es strenge Anforderungen an den Papierkram und die Bewertung, um die OPR für Gold zu beantragen, das zu Schmuck verarbeitet wurde.
Vorherige Einfuhr
Es gibt Umstände, unter denen Sie das Produkt unter OPR importieren können, bevor Sie das Produkt, das sich bereits im freien Verkehr befindet, verschicken. Zum Beispiel, wenn Sie eine Maschine durch eine gleichwertige Maschine des Herstellers ersetzen, bevor Sie die defekte Maschine exportieren.
In diesen Fällen müssen Sie eine Garantie für die Abgaben auf das importierte Produkt und eine Sondergenehmigung für die vorherige Einfuhr vorweisen können. Es gibt auch Fristen für die Wiederausfuhr, die eingehalten werden müssen, um die Zahlung des Einfuhrzolls zu vermeiden.
Kombination von OPR und IPR
Wenn Sie eine komplexe Lieferkette haben, können Sie eine Kombination von Verfahren anwenden, um die Kosten während des gesamten Prozesses zu minimieren. Sie können zum Beispiel Rohstoffe mit IPR einführen, Teile zur Verarbeitung ins Ausland exportieren und dann die Komponenten mit IPR für die Montage vor einem internationalen Verkauf einführen.
Solche Vorgänge erfordern Spezialwissen und eine strenge Überwachung aller Bewegungen. Hier kann die Hilfe der branchenführenden Experten der Customs Support Group und der CustomsTech-Lösungen einen erheblichen Unterschied für Ihre Effizienz und Ihren Gewinn ausmachen.
Wie wird die Erlaubnis zur Nutzung von OPR eingeholt?
Es gibt bestimmte Regeln füe die Inanspruchnahme von OPR, diese sind von Land zu Land unterschiedlich.
Für die Verwendung von OPR benötigen Sie eine Genehmigung Ihrer Zollbehörde, die auf verschiedene Weise erteilt werden kann:
- Förmliche Bewilligungen: Diese ist erforderlich, wenn Sie OPR regelmäßig nutzen möchten, und muss beantragt werden, bevor Sie mit dem Export Ihrer Waren beginnen.
- Rückwirkende Bewilligung: Für außergewöhnliche Umstände, wenn Sie die Waren bereits exportiert haben. Diese Genehmigung kann nicht erteilt werden, wenn Sie diese Methode erst kürzlich verwendet haben.*
- Antrag auf Bewilligung mittels Abgabe der Zollanmeldung: Erlaubnis zur Verwendung von OPR für eine einzelne Sendung. Dies kann auf eine maximale Anzahl von Verwendungen pro Jahr begrenzt werden.
Es gibt auch spezielle OPR-Bewilligungen für bestimmte Regionen, wie z.B. für den Verkehr zwischen Irland, Nordirland und dem Vereinigten Königreich, wo es Überschneidungen mit dem Gebiet des Vereinigten Königreichs und der EU gibt.
*Beachten Sie, dass „vor kurzem“ subjektiv ist und von Land zu Land variiert. Zum Beispiel wird eine rückwirkende Bewilligung für die passive Veredelung in Großbritannien nicht erteilt, wenn Sie diese in den letzten drei Jahren genutzt haben.
Bereiten Sie sich auf eine Bewertung der wirtschaftlichen Bedingungen vor
Bei der Beantragung einer OPR-Bewilligung prüfen die Zollbehörden häufig, ob das Verfahren bestimmte „wirtschaftliche Voraussetzungen“ erfüllt. Mit dieser Bewertung soll sichergestellt werden, dass die Nutzung der passiven Veredelung die wesentlichen Interessen der EU/UK-Verarbeiter nicht beeinträchtigt.
Die Prüfung der wirtschaftlichen Bedingungen ist besonders wichtig für sensible Waren und Branchen. So kann die Genehmigung beispielsweise verweigert werden, wenn die Verarbeitung vernünftigerweise im Inland durchgeführt werden könnte, aber aus reinen Lohnkostengründen ausgelagert wird. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen gelten jedoch als erfüllt, wenn die Verarbeitung Reparaturen oder Änderungen umfasst oder wenn spezielles technisches Fachwissen nur im Ausland verfügbar ist.
Bei Anträgen auf passiven Veredelung innerhalb der EU stützt sich diese Beurteilung auf die Artikel 166-169 der Delegierten Verordnung (EU) 2015/2446 der Kommission und ist ein entscheidender Faktor dafür, ob Ihr OPR-Antrag genehmigt wird.
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Was die Passiven Veredelung betrifft, können Sie sich auf uns verlassen:
- Warentarifierung: Die Vorschriften für einige Verwendungen von OPR basieren auf Ihrer Warennummer und dem Ursprungsland. Um kostspielige Annahmen zu vermeiden, helfen wir Ihnen, Klarheit über Ihre Klassifizierung zu gewinnen und sichern Sie in vielen Fällen mit verbindlichen Zolltarifinformationen ab.
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